Interview: Nordin Trobradovic – Trends 2018

Interview: Nordin Trobradovic – Trends 2018

Das neue Jahr hat begonnen und hat so einiges auf Lager. Doch welche Trends erwarten uns 2018 und wie kann man diese als Unternehmer am besten nutzen? Wir haben bei unserem Co-Founder Nordin Trobradovic nachgefragt. Er hat uns verraten was die Zukunftsthemen für das Jahr 2018 sind.

Als Co-Founder einer Agentur hast du natürlich auch die Zukunftsthemen im Blick – was erwartet uns 2018? Was sind die heißen Themen?

An erster Stelle steht auf jeden Fall das Thema künstliche Intelligenz beziehungsweise datengesteuertes Marketing auf Basis künstlicher Intelligenz. Aber auch die sogenannte Augmented Reality (AR) und Virtual Reality (VR) werden immer mehr Teil unseres Home- und Mobile-Entertainments und somit auch Produktplatzierungen und Werbung ’’zum Opfer fallen’’. Influencer-Marketing war dieses Jahr ein Riesenerfolg und wird im Jahr 2018 weiterhin einen großen Stellenwert im Marketing einnehmen. Eine interessante Spekulation für kommendes Jahr: Durch die Entwicklung selbstfahrender Fahrzeuge und die daraus folgende Tatsache, dass sich der Fahrer nicht mehr auf die Straße konzentrieren muss, entsteht eine komplett neue Spielwiese für Marketer. Es wird also nicht lange dauern, bis die ersten In-Car-Ads auftauchen.

Künstliche Intelligenz ist ein Thema, das für einen Laien faszinierend und beängstigend zugleich ist – was bedeutet künstliche Intelligenz im Zusammenhang mit Chatbots genau? Müssen wir uns fürchten bzw. wie wird es vom Endkunden benutzt und welche Vorteile gibt es für die Unternehmen? Wo siehst du die Chancen und Risiken von künstlicher Intelligenz?

Wenn man sich mit verschiedensten Analyse-Tools oder –Plattformen beschäftigt, stellt sich oft früh die Frage, wie man den gesamten Output dieser Tools zu einer einzigen Kernaussage zusammenfassen kann. Hier wird die künstliche Intelligenz schnell einen unheimlich großen Stellenwert gewinnen, da es nicht lange dauern wird, bis die ersten Tools, die sich auf künstliche Intelligenz fokussieren, genau für diese so genannten ’’Meta-Analysen’’  entwickelt werden. Auch im Bereich der Marketingautomatisierung wird die künstliche Intelligenz mehr als nur nützlich sein. Regelmäßige Aufgaben, Kommunikation mit potentiellen Kunden, Kundenberatungen, Kundensupport – das sind alles Dinge, die früher oder später die künstliche Intelligenz übernehmen wird. Heute schon werden die erwähnten Chatbots von sehr vielen Unternehmen genutzt, um Kundenfragen zu klären. Das erspart dem Kunden lange Wartezeiten auf einen menschlichen Chatpartner. Falls die Chatbots einmal eine Kundenanfrage nicht klären können, übernimmt ein Mensch das weitere Gespräch – das wird in Zukunft durch den Einsatz von künstlicher Intelligenz auch nicht mehr nötig sein. Somit wird Marketern mehr Raum für Aufgaben geschaffen, die sich ausschließlich durch menschlichen Input lösen lassen. Beispielsweise die kreativen Aspekte des Marketings. Dies führt wiederum zur Steigerung der Qualität der Werbung allgemein – was ziemlich interessant werden könnte! (lacht) Auch wird sich das Verhalten der Konsumenten verändern. Viele klassische Kundenentscheidungen werden von künstlicher Intelligenz automatisiert getroffen beziehungsweise beeinflusst. Es ist ja bereits heute der Fall, wenn man beispielsweise auf Amazon nach einem Produkt sucht, erhält man Vorschläge auf Basis der vorangegangenen Interaktionen mit Social-Media-Kanälen, anderen Online-Shopping-Portalen, Hotelsuchen etc. Hier wird uns schon einiges an Spielraum abgenommen – durch die künstliche Intelligenz jedoch wird das alles noch ausgeprägter. Für mich absolut ein Vorteil, da ich mir so bestimmt viel Zeit sparen werde (lacht).  Bei der Frage bezüglich der Risiken, die von künstlicher Intelligenz ausgehen, werde ich mich ausschließlich auf diese im Bereich Marketing fokussieren. Hier ist es für alle Agenturen von enormer Wichtigkeit, am Ball zu bleiben, die Trends zu verfolgen und nicht den Anschluss zu verlieren – das versteht sich von selbst. Aber man darf vor lauter Technologie und Fortschritt nicht die Bedürfnisse der Kunden und Unternehmen vernachlässigen. Innovation im Bereich Technologie ist wichtig, keine Frage, aber Zweckmäßigkeit und kundenorientierte Innovation sollten trotzdem weiterhin an erster Stelle stehen.

Influencer Marketing ist in aller Munde – wird es 2018 auch noch ein Thema sein?

Auf jeden Fall wird es das! Alles entwickelt sich immer mehr weg von zwischenmenschlicher Kommunikation (Stichworte: künstliche Intelligenz, Augmented Reality, Virtual Reality), die Influencer bleiben aber weiterhin ein menschlicher, mehr oder weniger natürlicher, vertrauenswürdiger Bezug zu vielen Kunden, vor allem bei jüngeren Generationen. Somit werden immer mehr und mehr Unternehmen auch darauf setzen müssen.

Wie setze ich es als Unternehmen am besten ein?

Hier gibt es zwei Wege, die man gehen kann. Bei beiden müssen erst Influencer identifiziert werden, die großen Einfluss auf meine Zielgruppe haben. Der erste und geläufigste Weg wäre es, diesen einenInfluencer – das kann ein Celebrity oder Sportler sein – dafür zu bezahlen, die eigenen Produkte auf deren eigenen Social-Media-Kanälen zu bewerben oder, noch besser, selbst zu verwenden. Da sich viele ’’Fans’’ mit dem Influencer identifizieren, entsteht hier sofort eine Nachfrage nach dem beworbenen Produkt. Wichtig ist natürlich, dass das Produkt zu dem Influencer passt und dieser es auch wirklich benutzen würde. Der zweite, etwas schwierigere Weg besteht darin, einer Gruppe von Influencern – zum Beispiel Early Adopters – das eigene Produkt schmackhaft zu machen. Sie durch zielgerichtete Werbung vom Nutzen und der Qualität des Produkts zu überzeugen und es ihnen  letztendlich zu verkaufen.

Wird eine Wandlung stattfinden? Es wirkt so, als ob es eine Übersättigung des Marktes gibt – wird die Blase Influencer irgendwann explodieren?

Ich denke nicht, da – wie eben erwähnt – Kunden durch die Integration von künstlicher Intelligenz und Augmented und Virtual Reality immer mehr nach menschlicher, vertrauenswürdiger Interaktion suchen werden. Influencer werden mit der Zeit eher an Bedeutung gewinnen. Es ist richtig, dass es wirklich sehr viele ’’professionelle Influencer’’ gibt, aber man darf dabei auch nicht vergessen, dass es sehr viele verschiedene Menschen mit unterschiedlichen Interessen gibt, die alle auf der Suche nach etwas Anderem sind.

Schon 2017 war virtuelle Realität ein Schlagwort – was sind rückblickend deine Highlights und was sind die nächsten Schritte in dem Segment für 2018?

Der Bereich Virtual Reality findet aktuell eigentlich nur in der Spiele-Industrie Anklang und trifft eher weniger das Interesse des Normalbürgers. Das ist für das Marketing wahrscheinlich etwas Gutes. Denn die Integration von werbespezifischem Content in Virtual Reality ist noch absolutes Neuland und nicht leicht umzusetzen. Im Vergleich zu Augmented Reality wird Virtual Reality eher nicht viel Spielraum für Marketer bieten.

Was darf man als Laie unter „Augmented Reality“ verstehen?

Augmented Reality, auf Deutsch ’’erweiterte Realität’’, überlagert eine reale (Live-)Video/Foto-Aufnahme mit computergeneriertem Inhalt. Im Gegensatz zu Virtual Reality, die eine komplett neue Welt schafft, legt Augmented Reality einfach nur Content über die reale Welt. Das funktioniert auf verschiedensten Geräten wie Handys, Smartwatches, Augmented Reality-Brillen etc. Das heute bekannteste und erfolgreichste Augmented Reality-Produkt ist Pokemon Go, ein Spiel, das auf IOS und Android läuft und über GPS deinen Aufenthaltsort bestimmt und deinen Avatar in Game-Content wie Pokemon, Pokestationen und -Arenen auf die reale Weltkarte überträgt. Wer also keine Ahnung von Augmented Reality hat, einfach mal die Pokemon App installieren. (lacht)

Auch eine sehr gängige und bekannte Augmented Reality-Praxis wird bei Sportübertragungen, vor allem beim American Football (NFL), aber auch bei den Olympischen Spielen benutzt. Bei den Spielen wird oft eine Weltrekordlinie mitten auf der Laufbahn angezeigt.

Was sind In-Car-Ads und wieso braucht man sie?

Autonomes Fahren erfreut sich momentan immer größerer Beliebtheit. Man hört überall, dass dieser und jener Automobilhersteller mit selbstfahrenden Fahrzeugen experimentiert. Mercedes und Tesla können es bereits. Da stellt sich natürlich für alle Marketer die Frage ’’Wie kann ich das für mich nutzen?’’ In-Car-Ads sind die Antwort. Der Fahrer wird nicht mehr konzentriert die Straße beobachten, lediglich am Anfang eine Destination eingeben und den Motor starten müssen. Wie wird er die restliche Fahrtzeit nutzen – natürlich Content konsumieren. Ob über das Handy, Tablet oder den eingebauten Boardcomputer. Früher oder später werden hier GPS-basierte Push-Benachrichtigungen zu Restaurants, Shopping-Malls oder Ähnlichem in der Nähe versandt, während der Fahrer einen Film ansieht oder am Laptop arbeitet. Reine Spekulation, aber absolut im Bereich des Möglichen.

Abschlussfrage: Auf welchen Trend freust du dich 2018 besonders und wieso?

Augmented Reality ist für mich aktuell am interessantesten, da es auch für sehr kleine Unternehmen einfach umzusetzen ist, aber dennoch einen garantierten Wow-Effekt liefert. Aber das erst gegen Mitte des nächsten Jahres, wenn weitere Geräte und Apps es als Standardfunktion implementiert haben und sich die Nutzer damit zurecht finden.

von Hannah Poppenwimmer.

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